Forschungsstand

Bis weit in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein wurde die Chronik des Johannes Malalas in weiten Teilen der Forschung als ein von einem ungebildeten Mönch verfasstes Werk von minderer literarischer Qualität angesehen. Selbst nachdem erwiesen worden war, dass es sich bei der Verbindung von Mönchtum (dem Malalas vermutlich nicht angehörte, s. unter „Autor und Werk“) und mangelnder Bildung um einen Fehlschluss handelte, wurde Malalas‘ Chronik dennoch von der weithin vernachlässigt oder nur in Einzelaspekten besprochen, ohne dass eine fundierte Gesamtbeurteilung vorgelegt worden wäre.

Einen Markstein in der Malalas-Forschung stellen die Arbeiten des australischen Malalas-Teams dar, das neben einer englischen Übersetzung 1990 einen Sammelband vorlegte. Dieser beinhaltet neben einem Überblick zu Person und Werk des Malalas auch weiterführende Studien, die wichtige Impulse für die Beschäftigung mit Malalas gegeben haben, so etwa die Beiträge von Elizabeth JEFFREYS zu den Quellen und zum chronologischen System des Malalas oder Brian CROKES Ausführungen über die Stellung des Malalas innerhalb der frühchristlichen und byzantinischen Chronistik. Die Arbeiten der australischen Forschergruppe stellten einen wichtigen Impulsgeber für die weitere Malalas-Forschung dar. So hat der Forschungsstellenleiter in zahlreichen Publikationen zum 6. Jh. intensiv auf Malalas als Quelle zurückgegriffen und dabei einige Erkenntnisse der Australier weitergeführt.

Trotz aller unverkennbaren Fortschritte mangelt es aufgrund des verspäteten Einsetzens der Malalas-Forschung im engeren Sinne weiterhin an grundlegenden Arbeiten. Dazu gehört vor allem ein wissenschaftlicher Kommentar, der sowohl philologischen als auch historisch-archäologischen Fragestellungen nachgeht.

verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 22.10.2013