Die Chronik – Inhalt

Mosaik
Megalopsychia-Mosaik, Antiocheia
Die 18 Bücher umfassende Chronik des Johannes Malalas stellt das älteste erhaltene Beispiel einer byzantinischen Weltchronik dar und bietet damit singuläre Einblicke in die Frühphase einer literarischen Gattung, die für das byzantinische Mittelalter zentrale Bedeutung besessen hat. Für die moderne Forschung ist dieses Werk aus mehreren Gründen von hoher Relevanz: Zum einen stellen die letzten drei Bücher, die die vom Autor selbst erlebte Zeit behandeln, eine wichtige Quelle für die Geschichte des 6. Jh. dar. Ihre besondere Relevanz für die althistorische Forschung ist allerdings erst in den letzten Jahren allmählich erkannt worden; seitdem hat sich Malalas als fundamentales zeitgenössisches Referenzwerk etabliert. Ferner ermöglicht die Chronik zahlreiche Einblicke in kultur- und mentalitätsgeschichtlich relevante Aspekte, die über die sonst erhaltenen Quellen - vor allem die klassizistische Profanhistoriographie - nicht gewonnen werden können. Zum anderen besitzt die Chronik großen Wert für Fragestellungen, die auf die Entstehung und Entfaltung christlicher Geschichtsschreibung sowie allgemein der christlichen Memorialkultur der Spätantike zielen. Schließlich lassen sich aus dem Werk auch wichtige Erkenntnisse über die Konzeption von Vergangenheit durch einen christlichen Autor im Oströmischen Reich des 6. Jh. gewinne

Die Weltchronik beginnt mit Adam und der Erschaffung der Welt und bricht kurz vor dem Tod Kaiser Justinians (565) ab. Ob dieses Ereignis den ursprünglichen Endpunkt des Werkes dargestellt hat bzw. darstellen sollte, ist umstritten, doch sprechen diverse Argumente dafür.

Die Bücher 1-6 enthalten biblische Geschichte, in die Malalas historische und mythologische Überlieferungen zur altorientalischen und griechischen Geschichte eingearbeitet hat. In Buch 7 wird die römische Frühzeit behandelt, Buch 8 ist Alexander dem Großen und der hellenistischen Geschichte gewidmet, Buch 9 der Vorgeschichte des Prinzipats des Augustus. Die Werkmitte (ab Buch 10) bildet mit der gleichzeitigen Menschwerdung Christi und der Herrschaft des Augustus einen erkennbaren Einschnitt. Die Bücher 10-12 umfassen die Kaiserzeit bis Diokletian (284-305), während die folgenden beiden Bücher die spätantike Geschichte von Konstantin (306-337) bis Leon II. (474) beinhalten. Bis zu diesem Punkt beruht die Chronik des Malalas auf schriftlichen Quellen, wohl vor allem frühere, heute verlorene Chroniken. Ab Buch 15 thematisiert jedes Buch die Herrschaft eines einzelnen Kaisers: Buch 15 die Herrschaft Zenons (474-491), Buch 16 die des Anastasios (491-518), Buch 17 die Justins I. (518-527), das besonders umfangreiche Buch 18 schließlich die Herrschaft Justinians (527-565). Für diese Bücher konnte sich Malalas auch auf mündliche Berichte bzw. Autopsie stützen, wie er ausdrücklich betont.

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Letzte Änderung: 16.01.2015