Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur

Auf dem im heutigen Irak gelegenen Ruinenhügel der Stadt Assur, der einstigen Hauptstadt des assyrischen Reichs, förderten zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutsche Archäologen mehrere Tausend mit Keilschrifttexten beschriebene Tontafeln und Tontafelfragmente zutage. Der größere Teil dieser Zeugnisse altorientalischer Schriftkultur befindet sich heute im Vorderasiatischen Museum in Berlin. Neben Schriftstücken, die in Verwaltung und Geschäftsleben der Korrespondenz und der Dokumentation dienten, umfasst dieser umfangreiche Bestand auch Texte, deren Inhalte – oft über Jahrhunderte und weite Räume hinweg – schriftlich überliefert wurden. Diese sog. literarischen Keilschrifttexte aus Assur enthalten gesetzliche Regelungen und Erlässe, Berichte und Erzählungen historischer und mythischer Art, Fabeln und Lebensweisheiten; Vorschriften für Festabläufe und andere religiöse Handlungen finden sich ebenso unter ihnen wie Gedichte, Lieder, Gebete und – neben vielem anderen – Schriftwerke, in denen das spezielle Fachwissen aus den Disziplinen des altorientalischen Gelehrtenwesens niedergelegt ist.

Foto des Tontafelfragments VAT 11000 (Handwerker beim Bau der Arche) Foto des Tontafelfragments VAT 11000 (Handwerker beim Bau der Arche)

Zahlreiche dieser Texte literarischen Inhalts werden, seitdem sie zuletzt in Assur ‚in Gebrauch‛ waren, in der Forschungsstelle ‚Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur‛ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften erstmals wieder gelesen.

Die Forschungsstelle ist damit befasst, das Corpus der literarischen Texte aus Assur systematisch zu erfassen und die bislang nicht oder nur unzureichend veröffentlichten Schriftstücke gemäß den höchsten editionsphilologischen Standards in Monographien zu veröffentlichen. Diese bilden die Monographienserie ‚Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts‛ (KAL). Ziel ist es, mit der umfassenden Edition dieses reichhaltigen Textbestandes Schriftzeugnisse, die für die weitere Forschung auf dem Gebiet der Altorientalistik hochbedeutsam sind, zugänglich zu machen und so dazu beizutragen, dass sich neue Einblicke in die Wissenswelten eines Kulturkreises eröffnen, der jahrtausendelang eine enorme politische und kulturelle Dynamik entfaltet hat.

 

Vorsitzender der Interakademischen Kommission

Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke

Zeichnung des Gottes Assur in der Flügelsonne
 
verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 15.03.2017