Dokumentationsmittel

Voraussetzung für die Durchführung des Editionsvorhabens ist, dass das Editorenteam direkten Zugriff auf das möglichst vollständig erfasste und systematisch zusammengestellte relevante Textmaterial hat. Mit dem Photoarchiv und den digitalen Katalogen der Forschungsstelle ist diese Voraussetzung gegeben. Diese beiden Dokumentationsmittel, mit deren Aufbau und Erstellung bereits im Rahmen der durch den Leibniz-Forschungspreis geförderten Vorgängerprojekte begonnen wurde, werden kontinuierlich vervollständigt und weiter ausgebaut. Da das Vorderasiatische Museum in Berlin bei weitem die meisten Tontafeln aus Assur besitzt, stehen seine Bestände im Zentrum der Dokumentationsaktivitäten.

Die Aufnahmen, die das Photoarchiv in Form von Negativen und Papierabzügen enthält, dokumentieren die äußere Form der zumeist zerbrochenen Tontafeln sowie die darauf erhaltenen Texte und Textfragmente. Sie ermöglichen eine rasche visuelle Identifikation und Kollationierung der Texte in der Forschungsstelle selbst, so dass Häufigkeit und Dauer von Museumsreisen, die der Vornahme von Autopsien an den Originalen dienen, erheblich reduziert werden können. Die miteinander verknüpfbaren digitalen Kataloge enthalten Daten zur Form und zum Textgehalt der Tontafeln und Tontafelfragmente sowie zu sonstigen in Assur geborgenen Funden. Ihre Datensätze sind unter archäologischen, historischen und philologischen Stichworten abrufbar und lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten sortieren, was das systematische Erstellen von Textcorpora, das Rekonstruieren von Fundzusammenhängen und das Kombinieren von Textgruppen und einzelnen Texten miteinander bis hin zur Wiedervereinigung disparater Bruchstücke ermöglicht. Beide Dokumentationsmittel sind Arbeitsinstrumente und als solche ausschließlich für die interne Nutzung durch das Team der Forschungsstelle bestimmt.

Das Photoarchiv

Photo: J. Oestergaard/Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Das Photoarchiv dokumentiert insbesondere die im Vorderasiatischen Museum in Berlin befindlichen Tontafeln und umfasst derzeit ca. 27000 Papierabzüge, die zumeist DIN A5-Format besitzen und in säurefreien Hüllen aufbewahrt werden. Diese Papierabzugsammlung setzt sich aus folgenden Teilsammlungen zusammen:

  • Photos der Tontafelbestände aus Assur im Vorderasiatischen Museum in Berlin
    • Neuaufnahmen: Sie werden in Berlin systematisch angefertigt und mit der Inventarnummer des Museums versehen. Ihre Sortierung erfolgt in der Reihenfolge ihres Eintreffens in der Forschungsstelle. Derzeit besitzt das Archiv mehr als 16000 Abzüge von Neuaufnahmen.
    • Abzüge von alten Negativen: Von ca. 2800 Negativen, die sich im Photoarchiv des Vorderasiatischen Museums befinden, konnten Abzüge für die Forschungsstelle hergestellt werden. Diese zumeist vor dem Zweiten Weltkrieg aufgenommenen Photos dokumentieren einen kleinen Teil des aus Assur stammenden Tontafelbestandes des Museums.
  • Photos von Tontafelbeständen aus Assur in anderen Museen
    • London, British Museum: Abzüge von Photos des Museums dokumentieren dessen relativ kleinen Bestand an Tontafeln aus Assur.
    • New Haven, Yale University, Universitätsmuseum: Abzüge von Photos des Museums dokumentieren dessen kleine Tontafelsammlung aus Assur.
  • Photos der Ausgrabungskampagnen in Assur
    • Reproduktionen von ca. 8000 Photos, die während der in den Jahren 1903–1914 in Assur durchgeführten Grabungskampagnen aufgenommen wurden und sich im Besitz der Deutschen Orient-Gesellschaft befinden, dokumentieren die Grabungsbefunde sowie Einzelfunde aller Art, darunter insbesondere auch Keilschrifttexte auf Tontafeln.

Die Forschungsstelle strebt eine möglichst vollständige photographische Erfassung der Tontafeln und Keilschrifttexte aus Assur in Form von Papierabzügen an. Überdies ist sie damit befasst, das Photoarchiv um eine elektronische Abteilung zu erweitern. Sie lässt Digitalisate der Papierphotos und digitale Neuaufnahmen herstellen und entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Pioneering Project ‚3D Character Transcription for Ancient Greek and Cuneiform‛ des Interdisziplinären Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg ein Programm für die Nutzbarmachung der 3D-Technologie für das Dokumentieren und Lesbarmachen keilschriftlicher Inschriften. Bislang liegen ca. 6000 Digitalisate analoger Photographien und digitale Neuaufnahmen sowie 3D-Scans von 224 Tontafeln vor.

Die digitalen Kataloge

Die drei digitalen Kataloge enthalten Daten zu dem Inschriftmaterial und zu den Objekten anderer Fundgruppen aus Assur, wobei die Dokumentation der beschriebenen Tontafeln des Vorderasiatischen Museums in Berlin den weitaus größten Raum einnimmt.

  • Der Tontafelkatalog enthält Angaben zu den Fundumständen, zum Erhaltungszustand, zur Form und zum Text sowie zum Publikationsstand der Tontafeln aus Assur.
  • Der Katalog der beschrifteten Objekte erfasst die Inschriften aus Assur, deren Schriftträger nicht Tontafeln, sondern Gegenstände anderer Art sind, wie z. B. Architekturteile, Stelen oder Gefäße. Er fußt auf dem von O. Pedersén zusammengestellten und in Buchform publizierten Katalog: O. Pedersén, Katalog der beschrifteten Objekte aus Assur. Die Schriftträger mit Ausnahme der Tontafeln und ähnlicher Archivtexte, Abhandlungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 23, Saarbrücken 1997.
  • Der Fundinventar-Katalog enthält das während der Grabungskampagnen in den Jahren 1903–1914 angelegte Fundinventar. Darin sind genaue Angaben zur Art und zum Aussehen sowie zu den Fundumständen der damals in Assur zutage geförderten Funde verzeichnet. Er liefert u. a. Informationen zu Tontafeln, die nicht nach Berlin in das Vorderasiatische Museum gelangt sind.

Photo: J. Oestergaard/Heidelberger Akademie der Wissenschaften

verantwortlich: Redaktion
Letzte Änderung: 08.05.2012